St Coloman Baum Esche gefällt Schwangau

Die ca. 130-150 Jahre alte Esche bei St. Coloman bei Schwangau – unweit des berühmten Märchenschlosses Neuschwanstein – findet sich in vielen deutschen Landschaftsfotografie Portfolios. Auch ich hab sie mehrmals fotografiert und bei meinem letzten Besuch vor einem Jahr dachte ich mir bei Blick auf die Äste bereits, dass die Tage dieses Prachtbaums gezählt sein würden. Die Eschen in Europa leiden massiv unter dem sogenannten Eschentriebsterben, einer Pilzkrankheit, die durch einen aus Asien eingeschleppten Pilz (Hymenoscyphus fraxineus) verursacht wird. Der Pilz infiziert Blätter und Triebe und führt zum Absterben von Zweigen, Kronenschäden und schließlich zum Absterben der betroffenen Bäume. Befallene Bäume können an den Lücken im Blattwerk erkannt werden. Auch der Pilz Hallimasch – ebenfalls ein Holzschädling – hatte sich wohl am Stammfuß des geschwächten Baums angesiedelt.

Im Februar 2026 war es jetzt soweit – was in mehr als hundert Jahren gewachsen ist, wurde in einer halben Stunde abgeräumt. Nicht ohne Grund: Beim Eschentriebsterben gibt es derzeit keine Heilung. Einige wenige Bäume sind resistent – aber die meisten fallen der Erkrankung zu Opfer. Da die Esche anders als die Fichte selten die Hauptbaumart in Wäldern ist, fällt deren schleichendes Verschwinden weniger auf als z.B. bei Fichten nach Borkenkäferbefall. Aber in den letzten 20 Jahren dürften in Mitteleuropa mehr als Millionen Eschen abgestorben sein. Nur wenn landschaftsprägende Exemplare absterben oder umgesägt werden – wie bei St. Coloman der Fall – wird uns das Massensterben der Eschen bewusst. Es gibt zwar Zuchtbemühungen um resistente Eschen heranzuziehen – diese können aber natürlich nicht das Verschwinden von alten Solitärbäumen ersetzen.

St Coloman Baum gefällt umgesägtSt Coloman Baum gefällt umgesägt

An der Schnittfläche könnten die Jahresringe genau abgezählt werden. Das Holz der Esche wurde wegen seiner Haltbarkeit früher bei der Herstellung von Holzwerkzeugen (Stiele und Griffe etc.). Daher verwundert es nicht, dass sich auch in der nähe von Almhütten (noch) schöne Alteschen finden lassen. Ein interessanter Baum, der auch mit einer prächtigen Herbstfärbung aufwarten kann. Vielleicht kann der Verlust dieses Baumes bei St. Coloman darauf aufmerksam machen, dass derzeit viele Baumarten durch – oftmals eingeschleppte – Krankheiten und Schädlinge bedroht sind. Ebenfalls ist es ein Plädoyer, gesunde und landschaftsprägende Bäume zu erhalten. Aber auch abgestorbene Bäume können als aufrecht stehendes Totholz noch ein wichtiger Lebensraum z.B. für den prachtvollen Käfer Alpenbock sein. 

St Coloman Baum Fotomotiv20260320 081108

Aus Eigeninitiative hatte jemand ein Ersatzbäumchen gepflanzt – aber auch diese Pflanze ist dem Tod geweiht. Der Haupttrieb wurde abgebrochen, Nebentriebe abgeschnitten. Die Rinde schält sich ab. Möglicherweise war dieses Bäumchen auch zu weit von der Straße entfernt – aber es bleibt abzuwarten, ob die ikonische Esche von Seiten der Gemeinde oder des Straßenbauamts eine offizielle Ersatzpflanzung geben wird. Am besten mit einer robusten Baumart. 

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